Christoph Kramer hat Eintracht Frankfurt davor gewarnt, das nächste Gladbach zu werden. Der ehemalige Nationalspieler sieht Parallelen zwischen der aktuellen Führungskrise bei den Hessen und dem Niedergang von Borussia Mönchengladbach nach dem Weggang von Sportvorstand Max Eberl.

„Es ist nur ein Gefühl, aber die Eintracht muss aufpassen, dass sie nicht das nächste Gladbach werden“, sagte Kramer. Der Weltmeister von 2014 bezieht sich auf die Situation in Frankfurt, wo mit Markus Krösche erst vor wenigen Tagen der langjährige Sportvorstand den Verein verlassen hat. Neuer Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann, der sein Amt am 26. Oktober 2026 antrat, muss nun einen Nachfolger finden und den Umbruch managen.

Gladbach als warnendes Beispiel

Die Parallele zu Gladbach ist für Kramer offensichtlich. Nach Eberls überraschendem Abschied im Jahr 2022 rutschte der Verein sportlich kontinuierlich ab. Unter seinem Nachfolger Roland Virkus kämpft Borussia Mönchengladbach in dieser Saison erbittert gegen den Abstieg. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane steht nach sechs Spieltagen mit null Punkten und sechs Niederlagen auf dem letzten Platz der Bundesliga-Tabelle. Mit 8:20 Toren weist sie das schlechteste Torverhältnis der Liga auf und liegt bereits 14 Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Bayern München.

Zuletzt unterlag Gladbach am vergangenen Wochenende mit 1:2 gegen 1899 Hoffenheim. Das Tor für die Borussia erzielte Wael Mohya in der 49. Minute nach Vorarbeit von Florian Neuhaus. Die jüngsten Ergebnisse zeigen eine gemischte Form mit einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen in den letzten fünf Partien (LLDWL).

Hellmann widerspricht der Analyse

Axel Hellmann, der in Frankfurt die interimistische Führung übernommen hat, teilt Kramers düstere Prognose nicht. „Diese Ansicht teile ich natürlich nicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Es gehört auch in solchen Veränderungsprozessen dazu, dass landauf landab sehr viele Experten ihre Einschätzung dazu liefern. Das sei auch jedem gegönnt. Ich habe meine sehr eigene Wahrnehmung.“

Hellmann verweist auf die solide Basis des Vereins. Präsident Mathias Beck wurde erst kürzlich mit 99 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Zudem hat Frankfurt in den vergangenen Jahren durch den Verkauf von vier Spielern mehr als 320 Millionen Euro eingenommen, eine Summe, die Gladbach in seiner Geschichte nie erreicht hat. Unter Krösche gewann die Eintracht 2023 den DFB-Pokal, 2018 die Europa League und erreichte in der Saison 2024/25 sogar das Halbfinale der Champions League.

Fokus auf das nächste Spiel

Während in Frankfurt die Strukturfragen im Vordergrund stehen, muss sich Gladbach voll auf den sportlichen Kampf konzentrieren. Das nächste Spiel führt die Borussia am 23. Oktober 2026 zum VfB Stuttgart, der aktuell auf dem 13. Tabellenplatz steht. Ein Erfolg wäre überfällig, um den Anschluss an die Konkurrenz nicht völlig zu verlieren. Die komplette Terminplanung der Borussia ist auf der Spielplan-Seite einsehbar.

Die aktuelle Krise bei Gladbach unterstreicht, wie tiefgreifend der Verlust einer Schlüsselfigur in der Führungsetage wirken kann. Ob Frankfurt diesem Schicksal entgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für Gladbach ist die Lage bereits jetzt mehr als ernst.

First reported at Tagesspiegel

Bayern München21Gladbach4
Punkteabstand: Gladbach 4, Tabellenführer Bayern München 21, erster Abstiegsplatz Union Berlin 7